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Anlagenverantwortlicher

Facility Management: Elektrische Sicherheit » Organisation » Verantwortung » Anlagenverantwortlicher

Anlagenverantwortlicher nach DIN VDE 0105 zur sicheren Organisation elektrischer Anlagen

Funktion und organisatorische Einordnung

Der Anlagenverantwortliche ist für die Dauer von Arbeiten an oder in der Nähe einer elektrischen Anlage mit der unmittelbaren Verantwortung für den sicheren Betrieb des zur Arbeitsstelle gehörenden Anlagenteils beauftragt. Seine Verantwortung ist damit arbeits- und anlagenbezogen. Sie unterscheidet sich von der übergeordneten Betreiberverantwortung und von der Verantwortung des Arbeitsverantwortlichen für die sichere Durchführung der konkreten Arbeit. Der Anlagenverantwortliche muss den Anlagenzustand, die betrieblichen Auswirkungen der geplanten Tätigkeit und die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen beurteilen können. Er kennt die Schaltzustände, mögliche Rückspeisungen, besondere Betriebsbedingungen und die Grenzen des betroffenen Anlagenteils. Vor Arbeitsbeginn stimmt er mit dem Arbeitsverantwortlichen ab, welche Arbeit durchgeführt wird, welche Teile betroffen sind und welche Freigaben erforderlich sind. Die Rolle kann je nach Organisation dauerhaft bestimmten Personen zugeordnet oder auftragsbezogen übertragen werden. Eine bloße Nennung im Arbeitsauftrag reicht nicht aus, wenn die Person den Anlagenzustand nicht kennt oder keine ausreichenden Befugnisse besitzt.

Anlagenverantwortung und sichere elektrische Betriebsführung

Hauptaufgaben und Arbeitsergebnisse

Die Kernleistung des Anlagenverantwortlichen ist die sichere Bereitstellung und Übergabe des betroffenen Anlagenteils für die geplante Arbeit. Er bewertet, welche betrieblichen Auswirkungen entstehen, bestimmt beziehungsweise bestätigt das zulässige Arbeitsverfahren und veranlasst die notwendigen vorbereitenden Sicherheitsmaßnahmen. Dazu können Freischaltungen, Sicherungen gegen Wiedereinschalten, Feststellung der Spannungsfreiheit, Erdung und Kurzschließung sowie Abdeckungen oder Absperrungen benachbarter aktiver Teile gehören. Umfang und Reihenfolge richten sich nach Anlage und Arbeitsverfahren. Der Anlagenverantwortliche erteilt die Durchführungserlaubnis erst, wenn die Voraussetzungen erfüllt und die Arbeitsstelle eindeutig übergeben sind. Während der Arbeit bleibt er für anlagenbezogene Änderungen erreichbar und koordiniert notwendige Zustandsänderungen.

Hauptaufgabe

Konkrete Ausführung

Erwartetes Arbeitsergebnis

Arbeitsvorhaben anlagenbezogen bewerten

Art, Ort, Dauer, Auswirkungen und betroffene Anlagenteile vor Arbeitsbeginn mit dem Arbeitsverantwortlichen klären.

Ein eindeutiger und technisch bewerteter Arbeitsumfang.

Anlagenzustand feststellen

Schaltzustände, Energiequellen, Rückspeisemöglichkeiten, Betriebsabhängigkeiten und besondere Gefährdungen prüfen.

Ein belastbares Bild des tatsächlichen Anlagenzustands.

Arbeitsverfahren abstimmen

Festlegen oder bestätigen, ob im spannungsfreien Zustand, in der Nähe aktiver Teile oder nach einem besonderen Verfahren gearbeitet wird.

Ein zulässiges Arbeitsverfahren mit passenden Schutzmaßnahmen.

Sicherheitsmaßnahmen vorbereiten

Erforderliche Freischaltungen und weitere technische Sicherungsmaßnahmen veranlassen und deren wirksame Umsetzung sicherstellen.

Eine fachgerecht vorbereitete Arbeitsstelle.

Arbeitsstelle einweisen

Arbeitsverantwortlichen über Anlagenzustand, Grenzen, Gefahren, benachbarte Teile und besondere Betriebsbedingungen informieren.

Eine eindeutige anlagenbezogene Einweisung.

Durchführungserlaubnis erteilen

Arbeit erst freigeben, wenn die vereinbarten Voraussetzungen hergestellt und verstanden sind.

Nachvollziehbarer Beginn der Arbeit ohne ungeklärte Anlagenrisiken.

Änderungen während der Arbeit koordinieren

Schaltzustandsänderungen, Störungen oder neue betriebliche Anforderungen mit dem Arbeitsverantwortlichen abstimmen.

Keine unbeabsichtigte Veränderung des sicheren Arbeitszustands.

Anlage zurückübernehmen

Nach Arbeitsende Rückmeldung, Aufhebung von Sicherungsmaßnahmen und Wiederherstellung des Betriebszustands geordnet koordinieren.

Dokumentierte und sichere Rückgabe des Anlagenteils an den Betrieb.

Verantwortung und Befugnisse

Der Anlagenverantwortliche muss die Befugnis besitzen, den für die Arbeit erforderlichen Anlagenzustand herzustellen oder durch hierzu berechtigte Personen herstellen zu lassen. Er kann eine Arbeit aus anlagenbezogenen Sicherheitsgründen zurückstellen oder unterbrechen. Eine Durchführungserlaubnis darf nicht erteilt werden, solange die Voraussetzungen ungeklärt oder Schutzmaßnahmen unvollständig sind. Schalthandlungen führt er nur selbst aus, wenn er dafür qualifiziert und für die konkrete Anlage berechtigt ist. Andernfalls beauftragt oder koordiniert er schaltberechtigte Personen. Seine Verantwortung beschränkt sich auf den festgelegten Anlagenteil und die Dauer beziehungsweise den Zusammenhang der Arbeit. Die sichere Führung des Arbeitsteams und die Arbeitsausführung selbst liegen beim Arbeitsverantwortlichen. Beide Funktionen können in geeigneten Fällen von derselben Person wahrgenommen werden, wenn Qualifikation, Übersicht und Arbeitsumfang dies zulassen und die Verantwortung eindeutig bleibt.

Zusammenarbeit, Vertretung und besondere Anlässe

Der Anlagenverantwortliche steht während der Arbeit in verlässlichem Kontakt zum Arbeitsverantwortlichen. Bei Leitwartenbetrieb, Fernschaltungen oder mehreren gleichzeitig tätigen Arbeitsgruppen muss eindeutig geregelt sein, wer den Anlagenzustand ändern darf und wie Rückmeldungen erfolgen. Fremdfirmen erhalten dieselbe eindeutige anlagenbezogene Einweisung wie interne Arbeitsgruppen. Ein Wechsel des Anlagenverantwortlichen während laufender Arbeiten erfordert eine vollständige Übergabe des Anlagenzustands, der freigegebenen Arbeiten und aller besonderen Festlegungen. Besondere Anlässe sind Störungen, ungeplante Umschaltungen, Rückspeisungen aus Ersatzstrom- oder Eigenerzeugungsanlagen, Arbeiten an gekoppelten Energieversorgungssystemen und parallele Arbeiten mehrerer Gewerke. In solchen Situationen ist die Durchführungserlaubnis gegebenenfalls zurückzunehmen, bis ein sicherer Zustand erneut bestätigt ist.

Qualifikation und Leistungsnachweise

Der Anlagenverantwortliche muss aufgrund Ausbildung, Kenntnissen und Erfahrung in der Lage sein, den sicheren Anlagenzustand und die Auswirkungen der vorgesehenen Arbeit zu beurteilen. In der Regel handelt es sich um eine Elektrofachkraft mit ausreichender Anlagenkenntnis. Erforderlich sind Kenntnisse der betrieblichen Schalt- und Freigabeverfahren, der Schutzmaßnahmen, der relevanten Dokumentation und der besonderen Gefährdungen des zugeordneten Anlagenteils. Bei komplexen Hoch- oder Mittelspannungsanlagen sind entsprechend vertiefte Qualifikation und Erfahrung erforderlich. Nachweise sind die dokumentierte Beauftragung beziehungsweise eindeutige Zuordnung, aktuelle Anlagenkenntnis, erforderliche Schalt- oder Zugangsberechtigungen sowie nachvollziehbare Freigabe- und Übergabeaufzeichnungen. Die Qualität der Funktion zeigt sich daran, ob Arbeitsstellen reproduzierbar sicher bereitgestellt und Änderungen des Anlagenzustands kontrolliert beherrscht werden.

Der Anlagenverantwortliche

Bei umfangreichen elektrischen Systemen und Netzwerken, insbesondere wenn sie von einer Kontrollzentrale überwacht und gesteuert werden, könnte man sich fragen, ob eine einzelne Person alle Verantwortlichkeiten und Anforderungen erfüllen kann. Die Kontrollzentrale verfügt über den umfassenden Überblick über den Schaltstatus, während der vor Ort tätige Vertreter des Anlagenbetreibers einen Überblick über die Bedingungen und potenziellen Gefahren vor Ort hat. Ein anderer Mitarbeiter, vielleicht ein Schichttechniker, könnte die Schaltberechtigung haben. Das Recht, Schaltanweisungen zu erteilen, liegt in der Regel bei der Kontrollzentrale. Darüber hinaus könnte die Kontrollzentrale die technische Fähigkeit und das Mandat besitzen, das Fernschalten für das gesamte System oder seine Segmente auszuführen. Wer sollte also die Rolle des Anlagenmanagers übernehmen? Die Antwort liegt darin, dass ein Anlagenmanager einige seiner zugehörigen Verantwortlichkeiten an andere Personen delegieren kann. Im Grunde gibt es zwei mögliche Regelungen:

Anlagenverantwortung in der Leitwarte

Arbeitsverantwortlicher nach DIN VDE 0105 für sichere Durchführung elektrischer Arbeiten im Betrieb

Der Anlagenverantwortliche nimmt seine Aufgaben von der Leitwarte aus wahr. Für die Aufgaben an der Arbeitsstelle werden geeignete Personen vor Ort eingesetzt. Sie übernehmen eindeutig festgelegte Aufgaben, informieren den Anlagenverantwortlichen über die örtlichen Bedingungen und stimmen sich mit dem Arbeitsverantwortlichen ab. Die Zuständigkeiten, Befugnisse und Kommunikationswege müssen klar geregelt sein. Schalthandlungen vor Ort werden ausschließlich von Personen ausgeführt, die für die betreffende Anlage und die vorgesehenen Schalthandlungen berechtigt sind. Die Ausführung erfolgt nach dem abgestimmten betrieblichen Verfahren. Durchgeführte Schaltungen und der tatsächliche Anlagenzustand werden an den Anlagenverantwortlichen zurückgemeldet.

Anlagenverantwortung vor Ort:

Arbeitsverantwortlicher für sichere Durchführung elektrischer Arbeiten im Betrieb

Der Anlagenverantwortliche nimmt seine Aufgaben vor Ort wahr und stimmt die erforderlichen Schalthandlungen mit der Leitwarte ab. Die Leitwarte bereitet die Schalthandlungen auf Anfrage des Anlagenverantwortlichen vor. Eine für die betreffende Anlage schaltberechtigte Person vor Ort führt die Schalthandlungen nach dem abgestimmten betrieblichen Verfahren aus. Die Aufgaben können zwischen Leitwarte und Personal vor Ort verteilt werden, sofern Zuständigkeiten, Befugnisse, Kommunikationswege und Rückmeldungen eindeutig festgelegt sind. Der Anlagenverantwortliche muss über die für seine Aufgaben erforderlichen Befugnisse verfügen. Werden einzelne Aufgaben auf weitere Personen übertragen, müssen deren Aufgaben und Befugnisse sowie die Schnittstellen zum Anlagenverantwortlichen und zum Arbeitsverantwortlichen eindeutig festgelegt sein.

    • Organigramm, das zwei Modelle der Anlagenverantwortung vergleicht: Modell 'Hinten' mit indirekter und Modell 'Vor Ort' mit direkter Kommunikation.